Es war eine verhängnisvolle Zeit. Während des Dreissigjährigen Krieges spielte sich in Graubünden der grosse Krieg nochmal im Kleinen ab. Das Prättigau gehörte zum österreichischen Habsburgerreich, bekannte sich aber zunehmend zum reformierten Glauben. Nach dem Augsburger Religionsfrieden durfte der jeweilige Landesherr den Glauben seinerBevölkerung bestimmen. Aus machtstrategischen Gründen wurde das Prättigau für die katholischen Habsburger plötzlich wieder interessant. Deshalb liessen sie das Tal mit einigen tausend Söldnern auf grausame Weise besetzen. Zum Abschluss sollte die Bevölkerung wieder zum katholischen Glauben gebracht werden. Den Auftrag dafür erhielt Fidelis von Sigmaringen, der Guardian des Kapuzinerklosters in Feldkirch.

Im Januar 1622 machte er sich auf in das Tal, stiess aber wegen der vorhergehenden Ereignisse auf eine Mauer des Schweigens. Als weitere Massnahme wurde die Bevölkerung gezwungen, seine Predigten anzuhören. Die erste erzwungene Predigt kostete Bruder Fidelis bereits sein Leben. Am 24. April 1622 wurde er von der Kanzel gezerrt und vor der Kirche erschlagen. Es war eine grausame Zeit, gewalttätig und mit vielfältigen Verstrickungen von Religion und Politik. Versöhnung ist angesagt zum Jubiläum der Ereignisse.